Den Problemlösungsprozess verstehen lernen

Der Problemlösungsprozess beschreibt mit seinen 5 Stationen einen Arbeits- bzw. Lernprozess. Je öfter du ihn anwendest, umso sicherer wirst du, wenn du schwierige Situationen "mit Verstand" lösen musst. Du wirst dadurch weniger leicht in Panik verfallen.
Wenn du das Gefühl hast, dass du auch Station 5 "aus dem Ärmel" schütteln kannst, dann kannst du von dir behaupten, dass du dir Gestaltungskompetenz erworben hast. Dies ist das wichtigste Rüstzeug für deine Zukunft.

Das Mind-Map sieht so einfach aus, doch was steckt alles hinter den Schlüsselwörtern?
Beginne mit deiner Wahrnehmung!
Bekommst du eigentlich mit, was so um dich herum alles geschieht? Oder haben dich die Medien und das, was gerade cool ist, schon so in Beschlag genommen, dass deine Wahrnehmung bereits durch andere gestört ist?

Schlüsselfragen zu den Problemlösungsschritten:

1. Ich möchte Informationen sammeln:
- Wie steht es um mein Wahrnehmungsvermögen? (Beobachtungen)
- Was kann ich erkennen und unterscheiden? (Wahrnehmungstraining)
- Wie steht es um meinen Wortschatz? (Grundbegriffe klären)
- Wie sammle und ordne ich Beobachtungen und Begriffe? (Logbuch, Protokoll, Skizze)
- Signalwörter: beobachten, suchen&finden

2. Ich möchte Informationen bearbeiten:
- Wie kann ich Informationen bewerten? (Messen, Vergleichen, Bewertungsrahmen, Diagramm)
- Wie kann ich sie umordnen? (Systematik entwickeln)
- Wie kann ich sie verknüpfen? (Eigenheiten definieren)
- Wie kann ich versteckte Informationen für andere sichtbar machen? (Interpretationsansätze entwickeln)
- Signalwörter: zuordnen, bewerten, einschätzen, gewichten, klassifizieren, erkunden, interpretieren

3. Ich möchte mein Wissen vertiefen:
- Wie kann ich mein Wissen mit anderen austauschen? (Diskussion, komentierte Linkliste)
- Wie kann ich testen, ob ich richtig gedacht habe? (Vergleich)
- Wie kann ich meine Einschätzung mit anderen abgleichen? (Messprofil, Mind-Map)
- Wie formuliere ich mein Wissen? (in Wiki, Weblog, Aufsatz, Referat, Mind-Map)
- Signalwörter: verknüpfen, evaluieren, abgleichen, neuformulieren, zusammenfassen

4. Ich möchte eine Problemlösung vorbereiten:
- Was ist für mich der Kern des Problems? (Inhalt)
- Mit welchen Helfern ist das Problem zu lösen? (Organisation)
- Wie soll die Problemlösung aussehen? (Event, Modell, Konzept, Strategie)
- Signalwörter: entwickeln, planen, gestalten, konzipieren, entwerfen, vorbereiten, modellieren

 

Hier zwei schwierige Übungen, löse beide Probleme!

Das Problem: Das Lernmodell als Arbeitsprozess in seinen Teilen verstehen lernen

Das Problem: Das Lernmodell als Arbeitsprozess anwenden können

Wenn du diese beiden Übungen bestanden hast, dann kannst du locker an andere Probleme herangehen. Suche dir Probleme, die dich echt herausfordern! Da wird es Problemteile geben, die du nicht knacken kannst, dann musst du dich mit weniger zufrieden geben. Motto: Weniger ist oft mehr. Übernimm dich nicht!

Nachtrag für Trainer/Lehrer:

Jugendliche und ihr Trainer sollten ein Problemszenarium zu einem vorgegebenen (Lehrplan-) Thema gemeinsam formulieren. Die Förderung von Gestaltungskompetenz beginnt schon bei der Formulierung des Kernproblems, nur so ist Problembewusstsein zu erzeugen. Die Gruppe/Klasse verständigt sich am besten auf eine arbeitsteilige Strategie zur Lösung des Kernproblems. Besonders gut gelingt dies sicher über den Peer-Group-Education-Ansatz. Die Kleingruppe soll selbst eine optimale Lösung erarbeiten. Die großen (Welt-) Probleme können hierbei nur virtuell gelöst werden, die vielen praktischen Probleme müssen dagegen von allen Gruppenmitgliedern konkret handelnd durchlaufen werden. Allein schon die Aufgabe, anderen das gewählte Kernproblem bewusst zu machen, stellt eine große Herausforderung dar.

Für den Trainer/Lehrer ist dieses Verfahren auch eine große Herausforderung: Wie ist lehrerzentrierter Unterricht mit seiner sehr hohen inhaltlichen Effizienz in optimaler Weise mit dem schülerzentrierten Peer-Group-Ansatz mit dessen sehr großer Nachhaltigkeit zu verknüpfen?

Als Trainer/Lehrer kann man das Problem auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen angehen:
a) Aufbauendes Methodentraining zu Teilkompetenzen, das entspricht dem Bottom-Up-Prinzip. Man verfolgt die Schritte 1 mit 5. Beispiele:
- Wir gestalten eine Arbeitseinheit zur Wahrnehmung (Formen, Farben, Situationen, Reaktionen, ...)
- Wir gestalten eine Lernaufgabe zum Interpretieren eines Bildes oder einer Situation
- Wir initiieren eine Wiki-Community zu einem aktuellen Thema
- Wir gestalten ein Testverfahren zum Abgleichen von Geländemesswerten
- Wir entwickeln Modelle unserer "Heimat" für die Zukunft

b) Ganzheitliche Gestaltungskompetenz im Wettbewerb der Gruppen, das entspricht dem Top-Down-Prinzip, die notwendigen Prozessschritte müssen in der Gruppe bestimmt werden. Der Trainer/Lehrer formuliert "Station 5" als Aufgabe.
Beispiele:
- Wir organisieren eine Podiumsdiskussion zum Thema ...
- Wir entwickeln eine Versuchsanordnung zum Thema ...
- Wir gestalten eine virtuelle Exkursion im Web zum Thema ...
- Wir gestalten eine museumspädagogisch aufgebaute Ausstellung zu einer Kulturlandschaft

Die Sonderrolle der "Station 4: Problemlösung vorbereiten" hat einen breiten psychologischen Hintergrund, es lohnt, sich damit genauer auseinander zu setzen.